Im und am Beckenrand zuhause - Der langjährige Schwimmvereinsvorsitzende Wolfgang Patzke ist neuer Sportpionier

Es ist viel Zeit vergangen, seit Wolfang Patzke 1965 mit 18 Jahren Deutscher Vizemeister mit den A-Jugendschwimmern des SV Gmünd wurde. Zeit, die er reichlich genutzt hat, um dem Schwimmverein das zurückzugeben, was er selbst in seiner Kindheit und Jugend von den damaligen Verantwortlichen erhalten hat. Dafür wurde Wolfgang Patzke gestern Abend zum Gmünder Sportpionier des Jahres 2010 ernannt.

Ob der Plumps als Fünfjähriger in das reißende Schmelzhochwasser der Rems beim heutigen Zapp-Areal den Ausschlag dafür gab, dass sich Wolfgang Patzke fortan fleißig im Schwimmen übte, wird sein Geheimnis bleiben. Tatsache jedenfalls ist, dass der spätere langjährige Schwimmvereinsvorsitzende bald darauf mit Schwimmen begann, mit elf Jahren in den Schwimmverein Gmünd eintrat und unter dem legendären SVG-Trainer Hans Richter mit zu jener Gilde im Wasser zählte, die bundesweit von sich reden machte. Sein größter Einzelerfolg war 1965 der dritte Platz über 200 m Rücken bei den Deutschen A-Jugendmeisterschaften. Mit der Mannschaft setzte er noch eins drauf. Sein Team wurde Deutscher A-Jugendvizemeister.

Der junge Patzke war einer, der schnell auch Verantwortung im Verein übernahm und seine Aufgaben im Ehrenamt genauso zielstrebig verfolgte wie zuvor als Schwimmer seine Ziele im Wasser. Über das Amt des Jugendwarts (1971 - 1975) und technischen Leiters (1975 - 1979) fand er sich bald als stellvertretender Vorsitzender des Vereins (ab 1979) wieder, um schon vier Jahre später den Vorsitz im Gmünder Schwimmverein zu übernehmen. Es folgten 20 ebenso erfolgreiche wie bewegende Jahre, in denen es Wolfgang Patzke verstand, seinen Schwimmverein mit an der Spitze der besten und erfolgreichsten Vereine des Deutschen Schwimmverbands zu halten. In Sachen Schwimmen war und ist Schwäbisch Gmünd eine Hochburg im Land.
Akribisch – wie es sich für einen Finanzbeamten gehört – hat Wolfgang Patzke Trainingspläne mitgestaltet, Gespräche geführt und dabei stets die Weiterentwicklung seines Vereins im Blick gehabt. Als lizenzierter Nachwuchstrainer gab und gibt es kaum einen Tag, an dem Wolfgang Patzke nicht selbst am Beckenrand im Gmünder Hallenbad zu finden war, um den Gmünder Schwimmnachwuchs den Feinschliff für die verschiedenen Diszplinen beizubringen. Sie alle kennen ihren „Wolle“.

Aufgaben im Schwimmverband Württemberg und dem Deutschen Schwimmverband blieben nicht aus. Zunächst Beisitzer, war Wolfgang Patzke von 1987 bis 1993 Vorsitzender des Schwimmausschusses des Schwimmverbands Württemberg. Anschließend Beisitzer im Schiedsgericht, Vorsitzender des Schiedsgerichts und heute erneut wieder Beisitzer.
Im Deutschen Schwimmverband hatter von 1987 bis 1993 sogar Sitz und Stimme im Hauptausschuss. Der Leistungssport ist sein Metier. Da war es nur naheliegend, dass Wolfgang Patzke auch im Gmünder Stadtverband Sport, in dem er von 2002 bis 2010 als stellvertretender Vorsitzender fungierte, sich besonders um den Bereich des Leistungssport in Schwäbisch Gmünd annahm. Darüber hinaus nahm er sich vor allem sogenannten Sonderaufgaben an, mit denen er auch heute noch nach seinem offiziellen Ausscheiden aus dem Gremium betraut wird. So hat er sich in der jüngsten Vergangenheit vor allem bei der Entwicklung und Umsetzung des Integrationskonzeptes der Stadt Schwäbisch Gmünd mit seiner Erfahrung und seinen Ideen und Vorschlägen eingebracht.

Das „jüngste“ Amt des Wolfgang Patzke ist die Stellvertreterposition des Vorsitzenden Bereich Sport im Bezirk Ostwürttemberg des Schwimmverbands. Ob er dieses Amt 2009 bereits im Vorgriff auf seine Pensionierung im August 2010 übernommen hat? Nicht nur Christian Kemmer, der Vorsitzende des Gmünder Stadtverbandes Sport, hat das in seiner Laudatio gestern laut vermutet. als er ihn auf seinen „Unruhestand“ ansprach.
Ein Unruhestand, der den heutigen SVG-Senior im vergangenen Jahr auch als aktiver Schwimmer, der sich über all die Jahre mindestens mit württembergischen Meistertiteln schmücken konnte, zu neuem Ehrgeiz führte. Wolfgang Patzke gehört dem Seniorenteam des Gmünder Schwimmvereins an, das im vergangenen Jahr sensationell Senioren-Europameister wurde.
„Über viele Jahre hinweg warst Du stets ein absolutes Vorbild in Sachen Einsatz, Engagement und Verantwortungsbewusstsein“, sagte Kemmer als er ihm die Plakette des Gmünder Sportpioniers überreichte.
„Hier hat es einer wirklich verdient“, gratulierte OB Richard Arnold. Wolfgang Patzke sei „ein Zeichen dafür, dass sportliche Erfolge nicht nur so vom Himmel fallen, sondern über Jahre und Jahrzehnte vorbereitet werden müssen.“ Dazu brauche es Persönlichkeiten. „Wolfgang, Du bist ein leuchtendes Beispiel dafür.“

Einen Blick in die SVG-Chronik „50 Jahre Wolle Patzke“ warf SVG-Vorsitzender Roland Wendel, der seinen Vorgänger als Schwimmer, Trainer, Funktionär und Freund beleuchtete. Patzke erinnerte mit Ernst Brazel, Hans Richter und Walter Botsch an drei Vorbilder, die ihn geprägt hätten. Und er dankte neben vielen anderen als erstes seiner Frau Helga, die ihm stets „den Rücken frei gehalten hat.“ Umrahmt wurde die Feier von Otto Müller mit seiner Band Ados sowie den „Hot socks“ des TV Lindach.