Die Angst vor einem Abstieg war groß. Doch bereits nach der Vorrunde bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften in der Oberliga sind beim SV Gmünd so gut wie alle Sorgenfalten weg. Sowohl die Männer als auch die Frauen haben vor dem Finale einen komfortablen Vorsprung auf die Konkurrenz. Und so ist sogar die Rückkehr in die 2. Bundesliga plötzlich wieder ein Thema.
Kollektives Durchatmen in Gmünd. Wenn in zwei Wochen der Endkampf in Ulm oder Leonberg ansteht, können die Athleten des SVG relativ entspannt ins Wasser gehen. 1279 Punkte Vorsprung haben die Männer auf Platz acht, die Frauen gar 1498 Zähler auf den ersten Abstiegsplatz. „Wir haben eine tolle Ausgangsbasis geschaffen, und ich sehe keine Gefahr mehr, dass wir aus der Oberliga absteigen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Steffen Kregler. Noch nicht ganz so euphorisch ist Martin Rademacher. Der SVG-Trainer spricht zwar auch von „einem großen Vorsprung“, allerdings warnt er auch vor dem Finale, weil „immer was passieren kann und unsere Personaldecke so dünn ist, dass wir den Ausfall eines Leistungsträgers nicht kompensieren können“. Zumal es sogar durchaus noch mehr als nur zwei Absteiger geben kann. Doch auch das bereitet Kregler kein Kopfzerbrechen: „Selbst auf den drittletzten Platz haben wir einen großen Puffer.“
Dass der SV Gmünd vor heimischem Publikum einen solch komfortablen Vorsprung herausschwimmen konnte, war keineswegs zu erwarten. Denn die Gmünder hatten mit Abstand die jüngsten Schwimmer im Becken. Maximilian Forstenhäusler beispielsweise ist gerade mal 13 Jahre alt. Franziska Vester sogar nur zwölf Jahre. „Das wird eine enge Kiste“, sagte Sportwart Bernd Schabel vor den Titelkämpfen in Gmünd. Doch der SVG schenkte seinen jungen Athleten das ganze Vertrauen. Das zeigt auch die Tatsache, dass ausgerechnet Franziska Vester die lange Distanz über 800 Meter Freistil in Angriff nehmen musste. Die junge Rasselbande rechtfertigte das in sie gesetzte Vertrauen. „Das war eine excellente Teamleistung, fast alle bei uns sind neue persönliche Bestzeiten geschwommen“, freut sich Kregler. Nervenflattern gab’s bei keinem. Auch nicht, als der TSV Bad Saulgau mit Clemens Rapp immerhin den Vize-Europameister von 2010 ins Wasser schickte.
Christina Rollny trainiert in Stuttgart
Kein Wunder, dass der Schwimmverein Gmünd wieder von rosigen Zeiten träumt. Und so überraschte Steffen Kregler mit der Aussage, dass „unser mittelfristiges Ziel die Rückkehr in die 2. Bundesliga ist“. Unter mittelfristig versteht der stellvertretende Vorsitzende die nächsten drei, vier Jahre. „Das ist ein schönes Ziel“, sagt auch Rademacher und bezeichnet das Vorhaben dann aber als „unheimlich schwierig“. Denn: „Das geht nur, wenn wir alle unsere Schwimmer im Verein halten.“
Doch Sorgenkinder gibt es immer. Christina Rollny ist derzeit ein solches in Gmünd. Denn die Top-Schwimmerin des SVG hat nun die Schule gewechselt – von Gmünd nach Stuttgart. Der Grund ist der Sport. Rollny gehört zum Perspektivteam des Schwimmverbandes Württemberg und kann nun am Olympiastützpunkt täglich auf einer 50-Meter-Bahn trainieren. „Grundsätzlich ist eine Kooperation mit dem Stützpunkt eine gute Sache“, sagt Rademacher. Wohl wissend, dass es in und um Stuttgart attraktive Vereine gibt, die Christina Rollny sofort nehmen würden. Kregler sagt jedoch, dass „wir die Zusage der Familie haben, dass Christina nicht den Verein wechselt und bei uns bleibt“.
Eines jedoch haben die Gmünder nicht vor: sich mit namhaften Neuzugängen zu verstärken, wie damals beispielsweise mit Kerstin Vogel. „Nein, dazu ist Schwäbisch Gmünd zu klein und hat nicht die Infrastruktur wie Stuttgart oder Köln. Wir können solchen Athleten keine beruflichen Perspektiven bieten“, sagt Kregler und stellt klar, dass „wir auch in Zukunft einzig auf unseren eigenen Nachwuchs setzen“. Der ist derzeit in großer Zahl vorhanden. „Ja, wir haben genügend junge Schwimmer. Wichtig ist nur, dass wir diese auch konsequent ausbilden“, so Rademacher. Der Trainer wünscht sich vor allem eine noch bessere Kooperation mit den Schulen, damit „wir noch flexibler trainieren können“. Anders ist der Traum von der 2. Bundesliga ohnehin nicht zu realisieren.

