Archiv 2014

Gute Gründe fürs Schwimmen - Schwimmverein Schwäbisch Gmünd engagiert sich mit Pilotprojekt an Gmünder Ganztagsschulen

Lehrerin Carolin Maier (links) und Übungsleiterin Elke Wörner haben Schwimmhilfen platziert, unter denen die Erstklässler der Klösterleschule durchtauchen.

So sicher wie ein Fisch kann sich der sechsjährige Robin Röttele schon im Wasser bewegen. Ziel des Kooperationsprojekts ist es, dass alle seine Klassenkameraden das am Ende des ersten Schuljahres auch können.

Alle Kinder sollten schwimmen können, findet Steffen Kregler. Für den Schwimmverein Schwäbisch Gmünd organisiert er deshalb ein landesweites Pilotprojekt mit den Erstklässlern aus drei Ganztagsschulen der Stauferstadt. Man will die erschreckend hohe Zahl der Nichtschwimmer reduzieren. „Warum“, fragt sich Kevin (Name geändert) und sitzt trotzig am Beckenrand. Der Sechsjährige findet es ungemütlich und unheimlich im Hallenbad. Ins Wasser soll er? Igitt!Schwäbisch Gmünd. Würde der Erstklässler es wagen, seinen Protest laut zu äußern – was würden Steffen Kregler und all die anderen Verantwortlichen ihm wohl antworten?

Schwimmen sollte jedes Kind lernen, damit es sein Leben lang sommers gefahrlos die Abkühlung im Freibad suchen oder Ferien am Meer machen kann. „Deshalb freue ich mich sehr, dass der Schwimmverein und die Schule jetzt dieses Projekt anbieten“, sagt Margherita Pesare Mascolo. Regelmäßig verbringt die Familie die Ferien am Meer und ihr Erstklässler, der Angst vor dem Untertauchen hatte, geht inzwischen gerne ins Wasser. „Ich schau noch immer zu, weil ihm das Sicherheit gibt“, gesteht die Mutter. Aber das Schwimmen macht dem Filius inzwischen Spaß und sie hat ihn sogar schon im Schwimmverein angemeldet. Zwar nicht das allererste Ziel der Kooperation, aber neue Mitglieder oder das Entdecken von Talenten sind „besonders erfreuliche Ergebnisse“, findet Steffen Kregler.

Schwimmen sollte jedes Kind lernen, weil Bewegung im Wasser gesund ist. Bei dieser Antwort auf Kevins Frage erhält Steffen Kregler sozusagen Schützenhilfe vom Gmünder Sportmediziner Dr. Jürgen Wacker. „Bewegung ist immer die beste Medizin“, versichert dieser. „Und Schwimmen ist eine besonders gesunde Bewegungsform, weil der ganze Körper beteiligt ist, die Gelenke aber nicht überlastet werden.“ Obendrein, gibt der Mediziner zu Bedenken, sei Schwimmen nicht nur gut für den Körper, sondern auch für die Psyche. Ein Kind, das schwimmen kann, könne mit den Kumpels ins Freibad gehen. Wer nicht schwimmen gelernt habe, sei dann ausgeschlossen. Und während in vielen anderen Sportarten auch in der Freizeit der Wettkampf eine Rolle spiele, falle es beim Schwimmen eher weniger auf, wenn einer nicht so schnell ist. „In der Gruppe herrscht da viel mehr Gleichheit“, beobachtet Wacker.

Schwimmen sollte jedes Kind lernen, weil der Mensch damit bis ins hohe Alter sportlich und beweglich bleiben kann. Dieses Argument von Steffen Kregler beeindruckt Kevin heute noch nicht wirklich. Besonders in diesem Punkt gibt aber der Sportmediziner dem Sportfunktionär Recht. Oft empfehle er älteren Patienten, wenn diese zum Beispiel an Arthrose leiden, sich im Wasser zu bewegen.

Schwimmen sollte jedes Kind lernen, weil sich der erwachsene Mensch beim Lernen von Bewegungsabläufen schwerer tut. Übungsleiterin Elke Wörner, die gemeinsam mit Lehrerin Carolin Maier an diesem Tag Kevin und seinen Klassenkameraden mit großer Geduld die erfreulichen Seiten des Sports im nassen Element nahe bringt, kann bestätigen, was Sportmediziner Dr. Jürgen Wacker so beschreibt: Ab dem vierten Lebensjahr etwa seien Kinder koordinativ so weit entwickelt, dass sie sportliche Grundfähigkeiten „aufsaugen wie ein Schwamm“. Vieles müsse man sich später als Erwachsener mühsam erarbeiten. „Es gibt wenige, die sich dann tatsächlich durchbeißen.“

Schwimmen sollte jedes Kind lernen, weil es Spaß macht. Dieses letzte Argument von Steffen Kregler ist für Kevin eindeutig das wichtigste. Der Erstklässler hat seinen Widerwillen längst überwunden und tummelt sich mit seinen Kameraden im Nichtschwimmerbecken des Gmünder Hallenbads. Taucht tapfer unter den Schwimmhilfen durch, versucht sich konzentriert am gleichzeitigen Arm-und Beinschlag, der ihn bald auch ohne Schwimmhilfe über Wasser halten wird. Ganz selbstverständlich.
„Ich finde es sehr gut, dass es so ein Projekt gibt“, unterstreicht Tina Röttele. Sie ist Mutter eines Erstklässlers, der zwar schon schwimmen kann, weil die Eltern von Anfang an darauf Wert gelegt haben. Wenn aber bald noch mehr Mädchen und Jungs gefahrlos ins Wasser können, werde auch der Sportunterricht abwechslungsreicher. Denn einer Lehrerin allein könne man den Schwimm-unterricht erst zumuten, wenn nur ganz wenige Nichtschwimmer in der Klasse sind, findet Röttele.

Stichworte zum Projekt

Drei Gmünder Grundschulen – nämlich die Klösterle-, die Hardt- und die Rauchbeinschule beteiligen sich am Pilotprojekt. Das Sichtungsschwimmen nach den Sommerferien zeigte, dass von den insgesamt 155 Erstklässlern 75 nicht schwimmen konnten. Sie lernen nun in Gruppen von maximal acht Kindern, betreut von einem Schwimmlehrer des Vereins und einer Aufsicht, die die Schule stellt, das Schwimmen. Die Stunden sind in den Stundenplan integriert.Finanziert werden die Kurse durch das Jugendbegleiterprogramm in Baden-Württemberg.Für die Evaluation ist die Pädagogische Hochschule eingebunden.

© Gmünder Tagespost 14.01.2014


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