Es sollten nicht die Titelkämpfe des Henning Mühlleitner sein: Auch in seinem letzten Rennen bei der Junioren-WM in Singapur blieb der Schwimmer aus Schwäbisch Gmünd hinter seinen bisherigen Saisonleistungen zurück. Über die 1500m Freistil mühte er sich in 15:52,17 Minuten ins Ziel und landete am Ende auf Platz 24.
Noch bei den Junioren-Europameisterschaften Ende Juni in Baku in Aserbeidschan hatte er mit einem SVG-Vereinsrekord von 15:32,05 Minuten aufgetrumpft und wurde dort Sechster. Sieger wurde der Brasilianer Brandonn Almeida in 15:15,88 Minuten. „Er kann mehr, scheint aber noch nicht in der Lage zu sein, immer seine beste Leistung abrufen zu können“, lautete die erste Analyse von Patrick Engel, der derzeit an der italienischen Adriaküste im Urlaub weilt. „Es war eine Saison mit sehr vielen neuen Dingen für ihn, das muss er zuerst auch verkraften“, fügte der SVG-Trainer hinzu.
Angefangen von der Aufnahme des Perspektivkaders des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) bereits im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio über glänzende Auftritte bei den Deutschen Meisterschaften in der offenen Klasse bis zu den Junioren-Europameisterschaften. „Da war er schon richtig gefordert“, meinte Patrick Engel. Doch danach gab es keine Pause, sondern es ging mit „German Open“ und nun der Junioren-WM weiter. „Es ist natürlich schwer, sich dazwischen zu erholen und dann bei den langen Reisen abzuschalten“, meinte der Schwimmvereinscoach weiter. „Wir sind vielleicht auch in jüngster Vergangenheit ein wenig von ihm verwöhnt worden. Er schwimmt eben inzwischen auf einem verdammt hohen Niveau und da kann man nicht mehr bei jedem Start und jeder Meisterschaft Wunderdinge erwarten“, sagte SVG-Vorstand Roland Wendel.
Allerdings wurde es auch nichts mit einem zunächst geplanten Ruhetag am Samstag für Henning Mühlleitner. Denn er erhielt kurzfristig die Chance über 400m Lagen an den Start zu gehen. Auch dort war im Vorlauf Endstation, was aber auch nicht anders zu erwarten war. In 4:30,02 Minuten belegte er Rang 20 und verfehlte seinen SVG-Vereinsrekord um 3,04 Sekunden. „Das war gar nicht so schlecht“, meinte Patrick Engel angesichts der Leistungen der gesamten deutschen Mannschaft. Auch die 800m Freistil waren nach Ansicht des SVG-Trainers „im Rahmen dessen, wie er sich in Singapur präsentierte“. Auf der anderen Seite hoffte man beim Schwimmverein insgeheim auch ein wenig auf einen ähnlichen Coup, wie bei den Junioren-EM in Baku, als Henning Mühlleitner mit zwei Bronzemedaillen über 800m Freistil und in der 4x200m-Freistilstaffel die Heimreise antreten konnte.
Mit dem 4x200m-Quartett stand der 18 Jahre alte Schüler immerhin im Finale der besten Acht und belegte dort in 7:26,99 Minuten den achten Rang. Dabei war Henning Mühlleitner mit einer Splitzeit von 1:52,12 Minuten auf Position zwei schwimmend der schnellste Mann im Team. Begonnen hatten die Titelkämpfe in dem südostasiatischen Stadtstaat für ihn den 400m Freistil. Mit 3:59,59 Minuten und Platz 27 gab es gleich einen ersten Dämpfer für die Hoffnungen auf Spitzenplätze. Es folgten mit den 800m Freistil das Rennen mit den vielleicht besten Chancen für ihn auf einen Top-Platz. Nach 8:08,11 Minuten fand er sich auf Rang 13 wieder und haderte ein wenig mit seinen Leistungen. „Keine Ausrede, ich bin nicht gut geschwommen, das gilt vor allem für die 400m Freistil“, meinte er. „Ein Platz unter den ersten Acht war sicher im Bereich des Möglichen“, meinte Patrick Engel bei einem Blick in die Ergebnisse. Vor allem eben über die 800m-Distanz. Doch was die Konkurrenz überhaupt bei der Junioren-WM in Singapur geboten hat, zeigt sich auch an der Erfolgsbilanz der deutschen Vertreter.
Wenn man überhaupt von Erfolgen reden kann. Erstmals gab es keine Medaille für den DSV bei diesen Titelkämpfen. Platz sechs war die einzige Finalteilnahme überhaupt in einem Einzelrennen: Bei den Frauen über 50m Rücken. Henning Mühlleitner (über 800m Freistil) sorgte zusammen mit seinem Saarbrücker Trainingskollegen Moritz Brandt (über 200m Schmetterling) für das beste Ergebnis bei den Männern: Beide belegten Rang 13.
Der Schwimmvereinstrainer hält aber weiter große Stücke auf Henning Mühlleitner. „Er kann ein ganz Großer werden“, meinte er. „Er sollte aber nun einmal zur Ruhe kommen und seinen Akku und seine Batterien wieder aufladen können“, fügte Patrick Engel hinzu. Doch daraus wird wohl kaum was werden.
Schon in den nächsten Wochen steht ein Regenrationslehrgang des DSV in Kärnten auf dem Programm. Ob Hennning Mühlleitner allerdings letztendlich daran teilnehmen wird, ist noch offen. Zuerst muss er sich von Singapur erholen und eine Pause einlegen. Zumal die Vorbereitungen für die kommenden Kurzbahn-Saison schon begonnen hat. Auch wenn bei den derzeit herrschenden tropischen Temperaturen kaum jemand schon an die Deutschen Meisterschaften als nächsten schwimmerischen Höhepunkt denkt.
© Gmünder Tagespost 30.08.2015 21:15:08