Deutsche Mannschaftsmeisterschaften 2. Bundesliga Süd: Gmünder Damen sichern ersatzgeschwächt den Klassenerhalt

Mit 18.863 Punkten belegte das Damenteam des Schwimmvereins Gmünd beim Wettbewerb um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft (DMS) in der 2. Bundesliga Süd den sechsten Platz und erreichte damit sicher das unter den aktuellen Fakten gegebene einzig realistische Ziel - den Klassenerhalt. In der Gesamtwertung der drei Zweitligen Nord, West und Süd bedeutete dies unter 36 Mannschaften immerhin Rang 10. Damit waren Trainer Björn Koch und seine Assistentin Julia Barth „hochzufrieden“, denn im tropisch warmen Hallenbad in Frankfurt-Höchst in schwüler und stickiger Luft musste der SVG auf die erkrankte Leistungsträgerin Ida Schneider verzichten. „Wir mussten kurzfristig total umstellen“, erklärte Björn Koch, „und das war schwierig, weil Ida für die schweren langen Strecken vorgesehen war und zudem ja unsere Topathletinnen Marie und Paula Fuchs sowie Kathrin und Heike Stotz aus schulischen (Abitur) und beruflichen (Freiwilliges Soziales Jahr) Gründen mit dem Training seit Sommer kürzertreten müssen“.

Bei der DMS müssen pro Mannschaft 34 Rennen absolviert werden, eine Schwimmerin darf höchstens fünfmal starten, die erzielten Zeiten werden nach der auf dem aktuellen Weltrekord basierenden World Aquatics-Tabelle in Punkte umgerechnet.

Für Ida Schneider sprangen Flora Talgner, Masterschwimmerin Sophia Anderle und die erst 13-jährige Mia Marie Grahn in die Bresche. „Sie machten ihre Sache sehr gut“, freute sich Björn Koch, der besonders den „positiven Gesamteindruck und den kämpferischen Einsatz“ seiner Damen lobte.

Fleißigste Punktesammlerin im SVG-Team war Marie Fuchs. „Miss Zuverlässig“ steuerte in fünf Starts nicht nur mit 3242 Punkten den höchsten Beitrag zum Gesamtergebnis bei, ihre 56,96 Sekunden über 100 Meter Freistil waren mit 686 Punkten auch die beste Einzelleistung. Über 50 Meter Schmetterling (28,03 Sekunden) und über 50 Meter Freistil (26,12 Sekunden) war sie jeweils die Schnellste der 2. Bundesliga Süd, über 100 Meter Lagen (1.05,89 Minuten) und über 100 Meter Freistil die Zweitschnellste.

Paula Fuchs brachte es in fünf Rennen auf 2833 Punkte. Ihre relativ besten Leistungen zeigte sie über 100 Meter Schmetterling (589 Punkte für 1.04,45 Minuten) und über 100 Meter Rücken (587 Punkte für 1.05,52 Minuten); damit war sie die zweitschnellste Rückenschwimmerin. Jeweils Drittschnellste war sie über 200 Meter Rücken (2.22,91 Minuten) und über 50 Meter Rücken (30,34 Sekunden). Für den großen Kampfgeist von Paula Fuchs spricht ihre persönliche Bestzeit von 2.30,12 Minuten über die für sie ungewohnten 200 Meter Schmetterling.

Ebenfalls fünfmal eingesetzt wurden die Geschwister Stotz. Die 17-jährige Heike überzeugte mit konstant guten Leistungen zwischen 543 und 578 Punkten – in Summe 2823 Zähler. Ihre Zeiten: 400 Meter Lagen in 5.12,46 Minuten, 200 Meter Lagen in 2.26,22 Minuten, 200 Meter Brust in 2.42,29 Minuten, 100 Meter Brust in 1.15,48 Minuten und 50 Meter Brust in 34,79 Sekunden. Ihre zwei Jahre ältere Schwester Kathrin Stotz imponierte ebenfalls mit gleichmäßig starken Leistungen und einer Ausbeute von 2779 Punkten. Sie schwamm die 200 Meter Brust in 2. 41,59 Minuten, die 100 Meter Brust in 1.15,71 Minuten, die 200 Meter Lagen in 2.26,78 Minuten, die 100 Meter Lagen in 1.08,90 Minuten und 50 Meter Brust in 35,24 Sekunden.
Julia Ullrich absolvierte ein wahres „Mörderprogramm“ bei fünf Starts mit großer Bravour. Erstmals trat sie über die 1500 Meter Freistil an – und schaffte mit 18.37,46 Minuten nicht nur eine persönliche Bestzeit, sondern auch einen neuen Vereinsaltersklassenrekord. Auch über 100 Meter Rücken drückte sie ihren Hausrekord auf 1.09,45 Minuten. Über 200 Meter Rücken (2.32,27 Minuten), 200 Meter Freistil (2.14,54 Minuten) und über 400 Meter Freistil (4.44,33 Minuten) kam sie nah an ihre Bestzeiten heran. Insgesamt holte sie beachtliche 2594 Punkte, für die sie 2400 Meter an einem Tag zurücklegte. Respekt!

Der gebührt auch den drei weiteren Gmünder Schwimmerinnen. Flora Talgner, die wegen ihres Studiums nicht mehr regelmäßig trainieren kann, übernahm kameradschaftlich vorbildlich die Freistillangstrecken von Ida Schneider. Mit 2.12,86 Minuten über 200 Meter, 10.12,85 Minuten über 800 Meter, 4.49,59 Minuten über 400 Meter und 1.00,73 Minuten über 100 Meter erschwamm sie 2119 Punkte. „Seniorin“ Sophia Anderle (Geburtsjahrgang 1999) bewies ihre Sprintqualitäten: Über 50 Meter Schmetterling steigerte sie sogar ihre persönliche Bestzeit auf 30,02 Sekunden; 27,21 Sekunden brauchte sie für die 50 Meter Freistil und in 31,50 Sekunden legte sie die 50 Meter Rücken zurück. Das ergab 1649 Punkte. Besser hätte der Einstand von Mia Maria Grahn (JG 2011) in der Bundesligamannschaft nicht sein können: Mit neuen Bestzeiten von 5.37,28 Minuten über 400 Meter Lagen und 2.46,08 Minuten über 200 Meter Schmetterling, die 825 Punkte erbrachten, bewies sie ihr großes Talent.

SVG-Vorsitzender Roland Wendel gratulierte dem Damenteam „voller Stolz“ zu den Leistungen und ordnete diese ein: „Wir sind der einzige Verein der Bundesligen, der nicht ganzjährig auf einer 50-Meter-Bahn trainieren kann und wir schöpfen auch als einer der wenigen Vereine nicht die Möglichkeit aus, für die Mannschaftsmeisterschaften ausländische Spitzenkräfte „einzukaufen“. Vielmehr bauen wir auf unsere eigenen Nachwuchskräfte und nehmen es auch in Kauf, dass unsere Schwimmerinnen aus schulischen oder beruflichen Gründen das Training reduzieren müssen“.   

Der Endstand in der 2. Bundesliga Süd: 

1. TV Wetzlar 20.872 Punkte; 2.SG EWR Rheinhessen-Mainz 19.731,  3. SCW Eschborn 19.639 Punkte; 4. 1. FC Nürnberg Schwimmen 18.979; 5. SG Regio Freiburg 18.883; 6. SV Schwäbisch Gmünd 18.863; 7. SG Region Karlsruhe 18.847; 8. SC Delphin Ingolstadt 18.799; 9. SG Frankfurt II 18.504; 10. Hofheimer SC 18.116; 11. SSG Saar Max-Ritter Saarbrücken 17.744 12. VfL Sindelfingen 17.692.
In der 2. Bundesliga Nord reichten dem Potsdamer SV 18.419 Punkte zum ersten Platz. In der leistungsstärksten 2. Bundesliga West lautete die Reihenfolge an der Spitze: 1. SG Dortmund 21.185 Punkte; 2. SC Aqua Köln 20.707; 3. Team Bochum 20.346; 4. TPSK 1925 Köln 19.442; 5. SG Neuss 18.834. Damit steigen die SG Dortmund und der TV Wetzlar in die 1. Bundesliga auf.

Mit den 20.977 Punkten aus dem Vorjahr, mit denen die Damenmannschaft des SVG als Süddeutscher Vizemeister nur um 71 Zähler den Aufstieg in die 1. Bundesliga verpasste, hätte das Koch-Team diesmal den Sprung ins Oberhaus geschafft. Deutscher Mannschaftsmeister 2024 wurde der SC Wiesbaden 1911, der sich in der 1. Bundesliga mit 24.900 Punkten den ersten Platz vor der SG Frankfurt (23.920) und der SG Essen (23.661) sicherte. Der letztjährige Aufsteiger SV Cannstatt kam in der 1. Bundesliga mit 19.018 Punkte nicht über den 12. und damit letzten Platz hinaus und muss nun wieder hinunter in die 2. Bundesliga Süd.