Deutsche Hochschulmeisterschaften in Hannover - Marie und Paula Fuchs gewinnen sieben Goldmedaillen - Gmünds „Sportlerin des Jahres 2024“ mit überraschend starken Leistungen / Auch Jan Klein viermal auf dem Podest

13 Monate nach ihrem letzten Wettkampf auf großer Bühne, als sie bei den Deutschen Meisterschaften im Mai 2025 in Berlin sensationell Bronze mit der Freistilstaffel und Marie im Einzel über 50 Meter Schmetterling gewannen, sind die Fuchs-Zwillingsschwestern vom Schwimmverein Gmünd (SVG) mit einem gewaltigen Paukenschlag „rückfällig“ geworden. Bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften im Stadionbad in Hannover war Marie Fuchs mit fünf Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille die überragende Teilnehmerin. Paula Fuchs stand zweimal ganz oben auf dem Siegerpodest, zweimal flankierte sie dort als Zweite bzw. Dritte ihre Schwester. Gibt es ein Comeback der 21-jährigen Meisterschwimmerinnen? „Das ist überhaupt keine Option“, sagen Marie und Paula übereinstimmend, „unser Psychologiestudium lässt einen dafür notwendigen Trainingsaufwand auf keinen Fall zu. Das Kapitel Leistungssport Schwimmen bleibt für uns geschlossen“. Neben den selbst ernannten „Dorfhennen“, die von SVG-Übungsleiter Bernd Schabel inzwischen liebevoll „old legends“ genannt werden, sammelte auch Jan Klein aus dem ehemaligen Leistungsteam 1 des SVG in Hannover überraschend gleich vier Medaillen: Silber über 100 Meter Freistil, dreimal Bronze über 200 Meter Freistil, über 100 Meter und über 200 Meter Rücken.

Gleich im ersten Rennen, den 50 Meter Freistil, kam es zum großen Geschwisterduell. Marie Fuchs, die für die Uni Regensburg, wo sie Psychologie studiert, beendete den Vorlauf  in 26,77 Sekunden als Schnellste vor Felicia Klinke (Uni Köln) in 27,17 Sekunden und Paula Fuchs (Rheinland-Pfälzische Technische Universität/RPTU Kaiserslautern-Landau) in 27,60 Sekunden. Im Finale steigerte sich Marie Fuchs auf 26,20 Sekunden, Klinke holte in 26,72 Sekunden Silber, Bronze ging an Maria Danilova (Hochschule Magdeburg-Stendal), Paula Fuchs schlug in 27,88 Sekunden als Sechste an.

Über 50 Meter Schmetterling traten die „Füchsinnen“ erneut gegeneinander an. Nach den Vorläufen brachte sich Katharina Kluthe von der Uni Tübingen mit 28,57 in die Poolposition, gefolgt von Marie Fuchs (28,73 Sekunden) und Paula Fuchs (28,82 Sekunden). Im Endlauf drehte Marie Fuchs dann gewaltig auf und schnappte in 28,15 Sekunden Katharina Kluthe (28,58 Sekunden) die Goldmedaille vor der Nase weg. Paula Fuchs (28,77 Sekunden) freute sich über die Bronzemedaille.

Auch über 100 Meter Schmetterling „begnügte“ sich Marie Fuchs im Vorlauf in 1.05,96 Minuten mit Platz 2 hinter Katharina Kluthe, die 1.04,10 Minuten benötigte. Im Finale warf die Gmünderin aber den Turbo an und distanzierte in 1.03,53 Minuten Katharina Kluthe (1.04,83 Minuten) deutlich. Leaticia Bous, (Uni Erlangen-Nürnberg) folgte in 1.06,00 Minuten auf Rang 3.

Den Vorlauf über 100 Meter Freistil ging Marie Fuchs locker an – dennoch war sie mit 1.00,19 Minuten die Schnellste. Im Finale ließ sie nichts anbrennen, blieb als einzige unter der Minutengrenze und holte in 58,23 Sekunden ihre vierte Einzel-Goldmedaille; Jana Birner (Uni Erlangen-Nürnberg) in 1.00,21 Minuten und Nele Weinfurter (Uni Regensburg) in 1.00,78 Minuten mussten sich mit Silber und Bronze zufriedengeben. 

Ihr fünftes Einzelrennen bestritt Marie Fuchs in ihrer Nebendisziplin 100 Meter Brust. Dass sie nach dem Vorlauf hinter Isabel Steube von der Uni Köln (1.15,80 Minuten) mit 1.19,62 Minuten auf Rang 6 relativ weit zurücklag, „fuchste“ sie dann doch. Zwar war Isabel Steube mit 1.14,19 Minuten der Titel nicht zu nehmen, aber fast hätte Marie Fuchs Nikola Schubert von der Uni Bochum (1. 15,78 Minuten) Silber entrissen, mit 1.16,10 Minuten schaffte sie immerhin noch als Bronzemedaillengewinnerin den Sprung aus Podest.

Da stand Marie Fuchs auch nach den Staffelwettbewerben zweimal. Über 4 x 100 Meter Freistil der Frauen führte sie als Schlußschwimmerin (58,31 Sekunden) ihre Kommilitoninnen der Uni Regensburg in 4.07,33 Minuten sogar auf den Gold-Platz vor der Uni Hannover (4.13,19 Minuten) und der Uni Köln (4.13,98 Minuten). Über 4 x 100 Lagen der Frauen war die Uni Köln in 4.34,16 Minuten nicht zu schlagen, die Silbermedaille ging an die Uni Regensburg mit Marie Fuchs auf der Schmetterlingstrecke (1.05,90 Minuten), Bronze sicherte sich die Uni Bielefeld (4.53,80 Minuten).

Paula Fuchs „stillte“ ihren „Gold-Hunger“ in ihrer Speziallage, dem Rückenschwimmen. Am meisten freute sie sich über ihren Sieg über 50 m Rücken. Denn der schien nach den Vorläufen weit entfernt. Hinter Felicia Klinke (Uni Köln) in 31,26 Sekunden, Katja Breithaupt (Uni Hannover) in 31,30 Sekunden und Helena Schall (Uni Erlangen-Nürnberg) in 31,57 Sekunden folgte Paula Fuchs in 31,79 Sekunden nur auf Rang 4. Im Finale drehte die Gmünderin ab den Spieß um und sicherte sich in 30,97 Sekunden, nur knapp über ihrer Bestzeit, die Goldmedaille vor Felicia Klinke (31,25 Sekunden) und Helen Burchard (Deutsche Sporthochschule Köln) in 31,44 Sekunden.

Über 200 Meter Rücken bewies Paula Fuchs Standvermögen. Ihren mit forschem Start herausgeschwommen Vorsprung verteidigte sie eisern gegen die Favoritin Rieke Wieczorek (Uni Kaiserslautern-Landau), die trotz eines starken Endspurts in 2.26,95 Minuten mit Silber zufrieden sein musste. Für „Gold-Paula“ zeigten die Uhren 2:26,74 Minuten.

Um sich fürs Finale über 100 Meter Rücken zu qualifizieren, ließ sich Paula Fuchs im Vorlauf Zeit – 1.11,29 Minuten reichten hinter der zunächst Schnellsten Helene Schall (Erlangen-Nürnberg) in 1.10,06 noch zu Rang 6, aber die Gefahr des „Hinausbadens“ bestand akut. Aufgeschreckt davon machte sie im Endlauf „Dampf“ und steigerte sich auf 1.07,36 Minuten. Das war der Silberrang, nur Rieke Wieczorek von der TU Darmstadt war in 1,07,09 Minuten einen Handschlag vorne.

Auch der 21-jährige Jan Klein, der an der Uni Hohenheim im zweiten Semester Wirtschaftswissenschaften studiert und sich deshalb vor einem Jahr ebenfalls vom Hochleistungssport zurückzog, überzeugte in Hannover bei seinen sechs Starts mit konstant guten Leistungen. Die beste in der „Königsdisziplin, den 100 Meter Freistil. In 53,83 Sekunden beendete er unter mehr als 120 Teilnehmern die Vorläufe hinter Lukas Schmitt von der TH Ingolstadt (53,63 Sekunden) und vor Lukas Schröder von der Uni Magdeburg-Stendal in 53,89 Sekunden völlig überraschend als Zweiter. Im Finale war Lukas Schmitt mit 53,77 Sekunden erneut einen Wimpernschlag schneller als Jan Klein (53,99 Sekunden), der sich vor Lukas Schröder (54,44 Sekunden) die Silbermedaille erkämpfte.

Dreimal durfte sich Jan Klein mit einer Bronzemedaille dekorieren. Völlig unerwartet über 200 Meter Freistil in 2.01,61 Minuten hinter Lukas Schmitt (1.59,13 Minuten) und Mike Weyrich (Kaiserslautern-Landau) in 2.00,22 Minuten. Im Rückenschwimmen gehörte Jan Klein aber zum Kreis der Medaillenanwärtern. Über 200 Meter errang er Bronze in 2:17,78 Minuten; Ben Juretzki (HS Düsseldorf) dominierte in 2.12,64 Minuten klar das Feld, vor David Lange von der Uni Bielefeld (2.15,42 Minuten). Die Vorläufe über 100 Meter Rücken sahen Silas Dalig (Uni Hannover) in 59,60 Sekunden vor David Lange (1.00,24 Minuten) und Jens Terörde (HS Aachen) in 1.02,04 Minuten auf Medaillenkurs. Jan Klein schien mit 1.03,15 Minuten keine Chance auf einen Podestplatz zu haben. Aber der Gmünder legte im Finale eine gewaltige Schippe drauf, verbesserte sich auf 1.01,42 Minuten und kletterte damit auf den Bronzeplatz. Silas Dalig (58,50 Sekunden) und David Lange (1.00,28 Minuten) konnte er allerdings nicht verdrängen. Sehr stark besetzt war das Feld über 50 Meter Rücken. Mit 28,42 Sekunden schaffte Jan Klein als Siebter den Einzug ins Finale. Da kam er vom Start weg aber nicht in Schwung und landete in 29,68 Sekunden auf Platz 8. Silas Dalig (27,19 Sekunden), Marlon Meisel (Uni Bayreuth) in 27,47 Sekunden und Juretzky (HS Düsseldorf) in 27,49 Sekunden holten die Edelmetallplätze. Über 50 Meter Freistil platzierte sich Jan Klein unter 150 Startern in 25,21 Sekunden an 23. Stelle; bei 24,43 Sekunden war der Endlauf der besten acht zu.

Nachdem er inzwischen sein Maschinenbau-Studium an der Hochschule Aalen erfolgreich abgeschlossen hat, startete Fabian Blessing in Hannover zum letzten Mal bei Deutschen Hochschulmeisterschaften. Und es war für ihn ein gelungener Abschluss, denn in seiner Spezialdisziplin Brustschwimmen war die Konkurrenz quantitativ und qualitativ extrem hoch. Über 200 Meter Brust verpasste er als Neunter in 2:39,32 Minuten nur um 48/100 Sekunden das Finale, über 100 Meter Brust (Platz 10 in 1.10,86 Minuten) war der Achte nur 37/100 schneller und über 50 Meter Brust fehlten Fabian Blessing auf Rang 14 nur 65/100 Sekunden auf eine Endlaufteilnahme. Gute Mittelfeldplätze belegte Fabian Blessing über 50 Meter Schmetterling (27,94 Sekunden) und 50 Meter Freistil (26,61 Sekunden).

Nach vielen Jahren nahm auch Sarah Blessing wieder ein einem Wettkampf teil. Sie studiert im 9. Semester Rechtswissenschaften an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, gehört beim SVG zur Trainingsgruppe BT 1, kann aber studienbedingt selten in Gmünd trainieren. Bei ihren vier Starts in Hannover lieferte solide Leistungen ab, mit Rang 16 in 38,61 Sekunden schaffte sie über 50 Meter Brust ihre beste Platzierung.