Nikolaus-Drive-In im Hallenbad - Schwimmen - Seit März sitzen die meisten Kinder und Jugendlichen des Gmünder Schwimmvereins auf dem Trockenen. Jetzt gab’s wenigstens eine kleine Aufmunterung.

WERNER RÖHRICH

 

Kein Weihnachtsschwimmen in diesem Jahr. Dafür kam wenigstens der Nikolaus zu den Kindern und Jugendlichen des Gmünder Schwimmvereins. Besser gesagt: Sie kamen zu ihm. Die lustige Idee eines Nikolaus-Drive-In wurde am Montagabend eifrig in Anspruch genommen. Die Mädchen und Buben kamen mit ihren Eltern ans Gmünder Hallenbad gefahren, wo sie am Eingangsbereich hübsch verpackte Geschenkpäckchen ins Auto gereicht bekamen. Alles abgestimmt auf die derzeit geltenden Abstands- und Hygienebestimmungen der Corona-Pandemie.

 

Die Freude der jungen Wasserratten war groß. Sie haben in diesem Jahr das Bad kaum von innen gesehen. Seit März finden keine Schwimmveranstaltungen mehr statt. Die Kinderschwimmkurse, kaum dass sie zwischendurch begonnen hatten, wurden nach den Sommerferien sofort per Corona-Erlass wieder eingestellt. „Wir sind sehr glücklich, dass die Kinder in der Schule Schwimmunterricht haben. Aber wir sind todunglücklich, dass dieselben Kinder bei uns kein Schwimmen haben dürfen“, sagt der Vorsitzende des Gmünder Schwimmvereins, Roland Wendel.

 

Für die meisten der rund 400 Kinder des Gmünder Schwimmvereins sei der seit März mehr oder weniger verschärfte Teil-Lockdown gleichbedeutend mit einem Voll-Lockdown. „Unsere zukünftigen Aktiven hat’s damit am Schlimmsten getroffen. Für sie ist es ein echtes sportliches Drama“, sagt Wendel. Die aktiven Schwimmer und die Erwachsenen konnten wenigstens die Sommerphase, als das Freibad geöffnet hatte, zum Training nutzen. „Das lief ganz gut“, blickt Roland Wendel zurück.

 

Auf der Strecke geblieben seien allerdings die vielen Schwimmkurse mit den zahlreichen Kindern, „die wir nur im Hallenbad anbieten können.“ Rund 250 Kinder seien davon betroffen. Manche Eltern hätten bereits zum Teil erbost den Vereinsaustritt erklärt. „Wir können doch nichts dafür“, sagt Roland Wendel und erklärt, dass er über die Monate hinweg schon viele Hygienekonzepte für das Gmünder Hallenbad, das Bud-Bad im Schießtal, das Mutlantis und das Lehrschwimmbecken in Lindach ausgearbeitet habe, „die alle funktioniert haben.“ Aber: Die Situation hat sich ständig geändert. Momentan dürfen lediglich die Athleten der Herren- und der Damenmannschaft trainieren, die dem Zweitliga- bzw. Oberligakader angehören. Beim SVG sind dies 15 Schwimmerinnen und Schwimmer.

 

Vor allem eines versteht Roland Wendel nicht: „Unsere Hygienekonzepte sind mindestens so gut wie die von den Schulen. Und unsere Kinder sind mindestens genauso diszipliniert. Da wird einfach mit zweierlei Maß gemessen.“ Rückblickend habe es seit März im Gmünder Schwimmverein „keinen einzigen positiven Corona-Fall gegeben.“

 

Riesige Nichtschwimmerwelle

 

Vor dem Sommer habe man darauf gesetzt, dass es wenigstens nach den großen Ferien wieder weitergehe. Der Start im September sei tatsächlich hoffnungsvoll und vielversprechend gewesen. Doch seit dem 1. November sind die Sportstätten und damit auch die Bäder wieder geschlossen. „Wir schieben inzwischen eine riesige Nichtschwimmer-Welle vor uns her“, sagt der SVG-Vorsitzende.

 

 

 

Unsere Hygienekonzepte sind mindestens so gut wie die von den Schulen.

 

Roland Wendel

Vorsitzender des SV Gmünd

 

 

 

Jedes Quartal würden über die Kurse des Gmünder Schwimmvereins rund 50 Buben und Mädchen das Schwimmen lernen. „Das sind im Jahr rund 200 Kinder, die bei uns das Schwimmen lernen“, sagt Wendel. Die Warteliste von bis zu einem halben Jahr, die auch zu üblichen Zeiten schon existiere, werde länger und länger. Wendel: „Wir fragen uns gerade: Wie bauen wir die überhaupt wieder ab?“ Die fünf Kursleiter, die sich dieser besonderen Aufgabe annehmen, könne man ja „nicht einfach duplizieren. Und wir können gerade keine ausbilden, weil wir kein Wasser haben.“

 

Dass immer mehr Kinder nicht schwimmen können, sei auch eine brisante gesellschaftliche Situation. Jährlich ertrinken immer mehr Menschen in Deutschland. Die Anzahl der Nichtschwimmer nimmt stetig zu. „Es ist nicht damit getan, in den Lehrplan der Schulen reinzuschreiben, dass jedes Kind bis zur 4. Klasse der Grundschule schwimmen lernen muss“, sagt Roland Wendel. „Das funktioniert so nicht.“ Auch mit Oberbürgermeister Richard Arnold habe er schon darüber gesprochen. Der habe Verständnis gezeigt.

 

Er, so Wendel, hoffe darauf, dass die Stadt ab dem 11. Januar die Sportstätten und damit auch die Bäder wieder öffnen dürfe. Eine Hoffnung, die auch Gmünds neuer Sportbürgermeister Christian Baron in seinem Anschreiben an die Vereine beschrieben habe.

 

„Technisch und vom Infektionsrisiko her gesehen bin ich hundertprozentig überzeugt, dass es geht“, sagt der SVG-Vorsitzende. Alles hänge an der Entscheidung der Politik. Soviel jedenfalls sei klar: „Wenn das Hallenbad aufmacht, sind wir da. Wir stehen Gewehr bei Fuß. Was wir machen dürfen, machen wir. In vollem Umfang.“

 

Gleich wieder Stecker ziehen

 

Schwierig werde es nur, wenn es kurz darauf wieder geschlossen werden würde. Denn: „Ganz schlimm sind die kurzfristigen Entscheidungen. Anfangen und dann gleich wieder den Stecker ziehen. Damit machst du die ganze Organisation kaputt. Wenn sie das noch zwei-, dreimal machen, habe ich große Sorge, dass unsere Übungsleiter und Kampfrichter sagen: Sucht euch doch einen Anderen.“

 

© Gmünder Tagespost 07.12.2020 18:05

 

 

 


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